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Wiener Melange Vol. 6

08/07, 20:0023:00

Belle Fin – Vereter – Das schottische Prinzip

Die sechste Ausgabe unserer „Wiener Melange“ Reihe wurde erstmals nicht von einer Einzelperson kuratiert, sondern 2025 über einen Open call in Zusammenarbeit mit „Austrian Music Export“ und „mica“ ausgeschrieben. Aus mehr als 100 Bewerbungen wurden drei hochaktuelle Acts ausgewählt, um ihre individuellen Wiener Handschriften ein Ulm zu präsentieren.

 

Belle Fin

Belle Fin sind keine Band, die sich in Szene setzt, sondern eine, der man begegnet. Das Wiener Duo, bestehend aus Fabian Belfin-Wisniewski und Robin Ullmann, arbeitet mit Gitarre und Trompete und bewegt sich sicher zwischen unterschiedlichen musikalischen Ausdrucksformen. Erweitert zum Quintett, mit Ziehharmonika und Kontrabass, wächst die Musik zu einer poetischen Kirtagskapelle an, in der Zirkus, Melancholie und leiser Humor mitschwingen. Ihre Musik wurzelt tief im Wienerlied, greift aber weit darüber hinaus. Jazz, Blues, Chanson, Pop und eine raue, manchmal fast punkige Direktheit fließen selbstverständlich ineinander. Was entsteht, ist eine Klangsprache voller Zwischentöne: melancholisch und überschäumend zugleich, elegant und erdig, stets getragen von einem feinen Gespür für Rhythmus, Dramaturgie und Atmosphäre. Die Texte erzählen vom Lieben und Verlieren, vom Rausch und vom Danach, von Mitgefühl, Wahrheitssuche und den kleinen Absurditäten des Alltags. Belle Fin laden ihr Publikum ein, mitzureisen: dorthin, wo Schwermut tanzt, Lachen erlaubt ist und Lieder noch das tun, wofür sie gemacht sind – Menschen zusammenzubringen.

Bandvideo:

Vereter

VERETER ist das akustische Alter Ego des Wiener Musikers Pete Prison IV – und eine jener Stimmen, die dem Wienerlied ein längst fälliges Perspektiv-Update verpassen. Verwurzelt im Dialekt, im Schmäh und in der erzählerischen Tradition der Stadt, weigert sich VERETER beharrlich, Wien weiter als gemütliche Kulisse zu besingen. Stattdessen richtet er den Blick auf das Jetzt: auf Brüche, Reibungen und all das, was im klassischen Wienerlied gern ausgeblendet wird. Als Wienerkind der zweiten Generation erzählt VERETER aus einer queer-migrantischen Perspektive, die Erfahrungen von Fremdsein, Zuschreibungen und alltäglicher Ausgrenzung genauso umfasst wie Momente von Solidarität, Witz und Widerstand. Seine Lieder handeln von Begegnungen im öffentlichen Raum, von Nachbarschaft, Einsamkeit und Identität – stets unaufgeregt, oft scharf beobachtet und mit einem feinen Gespür für die Zwischentöne des Alltags. Klanglich setzt VERETER auf Reduktion statt Verklärung. Gitarre, Akkordeon, Klavier und gelegentlich eine sparsam eingesetzte Bandbegleitung tragen Texte, die gerade durch ihre Einfachheit an Eindringlichkeit gewinnen. Das Wienerlied wird hier nicht zerlegt, sondern neu ausgerichtet: weg von der romantisierten Selbstbespiegelung, hin zu einer offenen, gegenwärtigen Erzählform. So entsteht eine Musik, die trotz ihrer Schwere Hoffnung zulässt, Humor bewahrt und lange nachhallt. VERETER zeigt, dass Tradition kein Stillstand sein muss – sondern ein Material, das sich verändern lässt, wenn man den Mut hat, neue Geschichten darin zu erzählen.

Bandvideo:

Das schottische Prinzip

Hinter dem eigensinnigen Namen verbirgt sich ein Quartett, das Pop nicht als Wohlfühlzone begreift, sondern als Experimentierraum. Die Band ist ungefähr das, was dabei herausgekommen wäre, hätten Nico, Wolf Biermann und Nina Hagen eine Band miteinander gegründet, hätten eine lange Bildungskarenz im London der späten 70er-Jahre eingeschoben und wären nach längerem Hin und Her gleichermaßen desillusioniert wie inspiriert in Wien aufgetaucht. Diese Formation, bestehend aus den vier Wienerinnen Julia Reißner (Voc/Git), Viktoria Mezovsky (Git), Jana Mitrovic (Bass) und Petra Fraißl (Drums), besticht durch ihren ureigenen Charme und ihren Mut zur gelebten Andersartigkeit. Die Texte sind raffiniert und bringen Themen wie Nietzsche, Versagensängste oder die endlose Lust am Reisen nicht nur ohne Pathos zusammen, sondern schaffen auch noch eigene, kleine Welten, die nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Klanglich bewegt sich die Band mit großer Selbstverständlichkeit durch unterschiedliche Sphären. Heftige Rockausbrüche stehen neben New-Wave-Referenzen, Pop-Melodien treffen auf elektronische Kühle, maschinell treibende Rhythmen auf tänzelnde Leichtigkeit. Jungle-Drums, Achtel-Bassriffs, Ska-Gesten und flirrende Synthflächen verbinden sich zu einem Sound, der gleichermaßen drängt und verführt.

Bandvideo:

 

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